Subjektive Hörberichte und Hörvergleiche von HiFi-Enthusiasten
Subjektive Hörberichte und Hörvergleiche von HiFi-Enthusiasten

Neumann KH 420

Ich hatte diesen LS als Leihgabe direkt von Sennheiser für eine Woche in meinem Hörzimmer stehen.

Der Aktivmonitor KH 420 ist ein aktiver, rein analoger 3-Wege LS in klassischer Bauweise. Ein 10“ Langhub TT-Chassis, eine MT-kalotte (3“) und eine HT-Kalotte (1“). Soweit erstmal nichts Besonderes. Aber da ist noch eine geniale Waveguide und Markus Wolff, der als Chefentwickler bei K&H und jetzt bei Neumann unter dem Dach von Sennheiser für die KH 420 verantwortlich zeichnet. Auf DSP, wie bei der großen Schwester O 500, wurde hier verzichtet. Und das schadet diesem LS nicht, auch wenn es nicht Wenige gibt, die der O 500 noch nachweinen. Sie wird leider nicht mehr hergestellt. Gebrauchte findet man so gut wie nicht, und das wird wohl seinen Grund haben.

Was beim ersten Hören der KH 420, wenn sie denn penibel analog an den Raum angepasst wurde, auffällt, ist erst einmal nichts. Der LS spielt völlig unspektakulär wie aus einem Guss. Das schlichte grau dieses mittelgroßen Monitors passt irgendwie zu seinem unprätentiösen klanglichen Auftritt. Schnell wird allerdings klar, dass diese Art von Bescheidenheit sich in einem Satz komprimieren lässt. Der LS macht nichts falsch. Er ist kein Aufschneider, kein Schönfärber, keine Brüllkiste, obwohl er auch hohe Pegel kann. Beim Hören auch sehr unterschiedlichen Musikmaterials wird klar, dass man es hier mit einem Arbeitsgerät für Tonmeister zu tun hat, und zwar mit einem sehr, sehr guten.

Der Bass ist sehr tiefreichend, man vermisst keine Subwoofer, obwohl Neumann passende Subwoofer für den KH 420 bereithält. Die braucht man aber weniger für mehr Tiefgang sondern eigentlich nur, um höhere Pegel zu fahren. Irgendwann ist natürlich auch ein 10“ an seiner physikalischen Grenze angelangt. Wenn es beim Bass Haare in der Suppe zu finden gibt, dann kann ich nur zwei finden. Einerseits hat der Bass nicht ganz die Trockenheit und Dynamik eines guten 12“ oder 15“ PA-Treibers, dafür aber mehr Tiefgang. Andererseits machen aber die Reflexports bei ca. 30 Hz Pumpgeräusche, die man zwar bei normalem Musikkonsum nicht hört, da sind sie aber, und das stört etwas den Kopf. Wer einen 30 Hz Sinuston spielt, so dass die Membran sichtbar pumpt, kann das Pumpgeräusch am Hörplatz, also in 2-4 m Entfernung, deutlich vernehmen.

Sahnestück ist aber die tonal überragende MHT-Sektion. Die Waveguide trägt hier ihr Übriges dazu bei. Kaum ein mir bekannter LS löst so gut und mit Wohlklang auf, wie dieser. Wobei ich Wohlklang hier betonen möchte, denn viele andere LS erkaufen sich Auflösung durch zu aufdringliche Höhen, die schnell nerven können. Anders beim KH 420. Hier nervt nichts. Das Klangbild bleibt trotz extremer Detailfülle und Durchhörbarkeit sehr angenehm. Überraschend ist, mit welcher Dynamik und Wucht der MHT-Bereich auch bei hohen Pegeln verzerrungsfrei wiedergegeben wird, auch wenn die Dynamik eines Horns in diesem Bereich nicht ganz erreicht wird.  Die Waveguide, die neben einer kontrollierten Abstrahlung auch noch ein paar dB mehr Pegel bringen soll, ist hier sicher mitverantwortlich. 

So gerät nahezu jede Aufnahme, besonders aber Stimmen, zum Ohrenschmaus. Der Frequenzgang im Freifeld ist sensationell ausgeglichen. Dreht man lauter, ändert sich nichts, außer, dass es lauter wird. Irgendwann bei Hörentfernungen über 3m wirkt der Tiefbass dann angestrengt, was aber nur in seltenen Fällen und bei entsprechender Musik bemerkbar ist. Einige Aufnahmen von Nik Bärtsch und seiner Formation Ronin sowie von Mari Boine, die sehr tiefbassintensiv sind, können dann nicht mehr ganz in Konzertlautstärke in dieser hohen Qualität gehört werden. Die Fähigkeit, auch einen großen Raum akustisch zu füllen, und damit meine ich nicht die bloße dB-Zahl, gelingt LS mit mehr Verschiebevolumen dann auch besser. Die optional erhältlichen Subwoofer KH 870 mit je zwei 10“ Chassis sollten dieses Problem beseitigen. Dann wird es aber schon wieder sehr groß und auch deutlich teurer. Womit wir beim Preis wären. Thomann verlangt für den KH 420 derzeit 3698 €/Stück, was angesichts dessen, was man dafür bekommt geradezu günstig ist. 

Fazit: Wer einen nicht allzu großen Raum besitzt und die Hörentfernung nicht deutlich über 3m beträgt, hat mit diesem LS eine Anschaffung fürs Leben. Blendet man sehr spezielles Musikmaterial aus, gibt es kaum etwas Besseres, schon gar nicht zu diesem Preis.

Schließen möchte ich mit einem Auszug aus einem Test eines sehr bekannten Experten:

„Hier stimmt alles von den herausragenden Treibern über perfekt gearbeitete Gehäuse und Elektronik, über die Messwerte in allen Lagen bis zum Höreindruck… Ein Hörvergleich mit manchen vielfach teureren Lautsprechern könnte einem die Augen bzw. Ohren öffnen. Vorsicht ist jedoch geboten, da sich so auch Mythen und Illusionen unerwartet im Nichts auflösen könnten. Der Autor spricht hier aus Erfahrung!“

Zur Diskussion im Paul’s-Reference Forum

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