Subjektive Hörberichte und Hörvergleiche von HiFi-Enthusiasten
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Meyer Sound Bluehorn System

In dieser Besprechung geht es um einen wahrhaft exotischen Lautsprecher. Exotisch erstens wegen des Preises. Er toppt meine bisherigen hier vorgestellten Exemplare um ein Vielfaches. Exotisch aber auch wegen des geringen Bekanntheits- und Verbreitungsgrads, zumindest in Deutschland. Laut Deutschem Vertrieb sollen sich dennoch wenige Exemplare in privatem Besitz befinden.
Es handelt sich um das Meyer Sound Bluehorn System.

An den Fotos im Netz kann man erkennen, für welchen Einsatzzweck dieser Lautsprecher eigentlich gedacht ist. Es sind große, wohlhabende Tonstudios in aller Welt, in denen dieser Lautsprecher zu finden ist.

Meyer Sound ist eine der ersten Adressen, wenn es um professionelle Beschallung geht. Namhafte Künstler sind in großen Hallen und Stadien mit Meyer Sound aufgetreten, das who is who der internationalen Musikszene. Aber auch hochwertiger Cinemasound und ein großer Studiomonitor gehören zum Programm dieses Herstellers. Jetzt könnte man fragen, warum ich mir so etwas überhaupt angehört habe. Die Antwort ist ganz einfach, den Preis dieser Lautsprecher habe ich erst am Ende der Vorführung erfahren. Ich war damals ja noch auf der Suche nach meinem „letzten“ Lautsprecher.

Bei dem Bluehorn System handelt es sich um einen aktiven, komplett DSP gesteuerten Fullrage Lautsprecher, der diesen Namen auch tatsächlich verdient.
In Tonstudios kommen zumeist drei Exemplare zum Einsatz. Für zuhause werden vom deutschen Vertrieb aber auch gerne zwei geliefert.

Das System besteht aus zwei Gehäusen pro Kanal, den Class D Endstufen und einem externen Controller. Das untere Gehäuse beherbergt einen 18“ Bass, den man mit Fug und Recht auch als Subwoofer bezeichnen kann. Im oberen Gehäuse residieren ein 12“ TMT und das Bluehorn mit einem Horntreiber als MHT. Alle Treiber, die Endstufen und der Controller kommen aus dem eigenen Haus, nichts wird dazugekauft. Nach Auskunft des Vertriebs sollen die Trennfrequenzen bei 150 Hz und 700 Hz liegen. Zum Vergleich, bei mir liegen diese bei 70 Hz und 700 Hz.
Der Controller regelt Frequenzgang und Phase, also eigentlich nichts Besonderes. Trotzdem gibt es auch hier ein Patent mit dem formellen Titel „Phaseninversionsfilter zur Korrektur vonNiederfrequenzphasenverzerrungen in einem Lautsprechersystem“.
Hierbei sollen durch ausgeklügelte, phasenkorrigierende Algorithmen die nichtlinearen Effekte der mechanischen Wandler und Lautsprechergehäuse eliminiert werden. 

Ich war gespannt, ob sich dieser Aufwand auch im Klang niederschlagen würde.

Auf diesen Lautsprecher stieß ich durch Zufall, Netzrecherche, etwas stöbern und dann dieses auffällige blaue Horn. Ich setzte mich nur mal so mit dem Vertrieb in Verbindung, ein kurzes, interessantes Gespräch, Neugier war geweckt, und wenige Tage später lag eine persönliche Einladung in meinem Mailpostkasten zur Teilnahme an einer Demo bei der Rotorfilm GmbH in Potsdam Babelsberg. Ich trug mich in ein Zeitfenster von 30 min. ein und dachte, einer von mehreren Interessenten während der Session zu sein. Deshalb nahm ich auch keine eigenen Tracks mit, was sich als Fehler herausstellen sollte.

In Babelsberg angekommen, musste ich erst einmal die Security passieren und mich dann entlang großer Filmstudiohallen bis zum Ort des Geschehens durchfragen. Ich kam mir vor wie Columbo.

Die Rotorfilm GmbH befasst sich mit Postproduction für Film und Ton und verfügt über mehrere Studios. Im kleinsten, immerhin ca. 70 qm groß, standen diese Lautsprecher nun. Ich wurde vom deutschen Vertrieb und von dem eigens aus den USA angereisten Vorführer empfangen. Wo waren die anderen Hörinteressierten? Ich begriff, es gab keine anderen. Jeder Interessent hatte seine eigene, ganz persönliche Session von 30 min. Ich hatte auch noch Glück, direkt nach mit war niemand eingetragen, sodass mir 60 min. zur Verfügung standen. Trotzdem, meine eigene Musik hatte ich zu Hause gelassen und so war ich auf Gedeih und Verderb auf das angewiesen, was der Mann aus den Staaten auf seinem Laptop hatte.
Das Studio selbst war hightech und akustisch extrem trocken, für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Für zu Hause wäre mir das zu trocken.

Ich nahm genau in der Mitte der LS-Achse Platz, das Dreieck betrug ca. 4 Meter. Bis auf den nach meinem Geschmack etwas überbedämpften Raum also optimale Hörbedingungen.
Die Auswahl der Musik war dann für mich eher eine Enttäuschung. Kammermusik und Singer Songwriter standen im Mittelpunkt. Es dauerte, bis endlich mal etwas mehr die Post abging. Nur selten blitze auf, was diese LS an Tiefbass und Dynamik können. Der gesamte MHT war fein durchzeichnet, plastisch und ohne Schärfe, nichts anderes hatte ich allerdings erwartet. Die Mär von grundsätzlich verfärbenden Hörnern kann u.a. dank DSP begraben werden. Selbstverständlich müssen die Qualität des Horntreibers und die Abstimmung zwischen Treiber und Horn passen. Auch eine Entwicklerentscheidung, ein Horn so tief wie nur irgend möglich anzukoppeln, kann als Schuss nach hinten losgehen. Dies ist bei 700 Hz Trennfrequenz hier jedoch nicht gegeben. Dass der Tiefbass ohne jeglichen Abfall bis auf 25 Hz runtergeht, glaubte ich ohne Bedenken. Das war Fullrange, 20 Hz bis 20 kHz ohne Limitierung. Ich konnte bei der präsentierten Musik zumindest keine ausfindig machen. Den bahnbrechenden, patentgestützten Quantensprung in der Wiedergabe konnte ich allerdings zu keiner Zeit bestätigen. Der Lautsprecher spielt in der Top Liga dessen, was ich bisher jemals zu hören bekommen hatte, mehr aber auch nicht. Wunder darf man auch hier nicht erwarten. Ich merkte jetzt, wie wichtig es ist, dass man mit seinen eigenen, gut bekannten Tracks hört. Von den vorgeführten Titeln kannte ich keinen einzigen. Mehr an klanglichem Eindruck kann ich deshalb nicht mehr beschreiben, das wäre Kaffeesatzleserei oder bestenfalls hineininterpretiert. Auf meinen Wunsch suchte der Vorführer dann noch in seinem Archiv nach opulenter Orchestermusik und er wurde fündig. Die Orgelsinfonie Nr. 3 von Saint-Saens wurde angespielt und zwar der Satz, der mit einem großen Tutti der Orgel beginnt. Leider Fehlanzeige, denn es handelte sich um eine eher bescheidene Aufnahme, bei der die Orgel mehr als dürftig und dünn klang. Die Stunde war dann schließlich schnell um und ich fragte noch dieses und jenes und zum Schluss nach dem Preis. 

Ein Paar Bluehorn System inkl. Controller kostet 80 k€, netto versteht sich. Brutto sind das 95 200 €, Einmessung zu Hause inbegriffen. Das Gleiche zahlt man auch in den USA, nur dass dann Dollar dahinter steht.

In Ermangelung von Testberichten ein paar Stimmen von Leuten, die mit diesen Lautsprechern arbeiten.

“Die außergewöhnliche Klarheit des Bluehorn macht es einfacher, einen Mix zu analysieren. Aber nicht nur, um sich einen Gefallen zu tun. Man hört genau, was stimmt, aber man hört auch ganz genau, was falsch ist. Und das ist doch eigentlich der Sinn eines Monitorings, oder?”

„Sicher sind wir es auch einfach gewöhnt, dass Musik anders klingt je nach Lautstärke, doch wenn das Bluehorn-System Rebecca Pidgeon, Michael Jackson, Mozarts Violinkonzerte oder einen Choral von Bach zum Klingen bringt, dann ist das Ergebnis erst mal “nicht von dieser Welt”. Die Präzision der Darstellung jedes Instruments, jeder Stimme nimmt einem wirklich den Atem.“

“I don’t really know much about the technology in it, they won’t tell me … It doesn’t matter – the end result is what you hear. It’s absolutely unique in the world. I’ve spent the last 40 years working in studios for music and film, and I’ve never heard anything like it. And I never liked horn speakers before, and I never liked big speakers before.”

Etwas sehr Ähnliches kann man aber hören oder lesen, wenn man nach Eindrücken von Sound Engineers sucht, die mit dem JBL M2 Monitor arbeiten.

Fazit

Abseits professioneller Anwendung ist dieser Lautsprecher interessant für Leute, die Klang am obersten Ende der Fahnenstange haben wollen, denen Exklusivität wichtig ist, ohne sich jedoch in eine mit Highend-Mythen behaftete Welt, wie man sie alljährlich auf Messen findet, zu begeben. Leute eben mit einem luxuriösen Hang zum Understatement. Der Besitzer dieser Lautsprecher kann nach außen hin weder mit einem gewagten Design, einem edlem Lack noch mit einem illustren Namen brillieren. Das will er auch nicht. Stattdessen genießt er es, sich vor seine Anlage zu setzen im Wissen, dass er ein technisch ausgereiztes, praktisch fehlerfreies Produkt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein Eigen nennt. Über Musik, die nicht spielbar sein könnte, braucht er sich keine Gedanken zu machen. Mit diesen Lautsprechern ist alles spielbar. Ein dicker Geldbeutel ist natürlich auch nicht ganz unwichtig. So wie dieser Lautsprecher auch optisch auftritt, wird er weiterhin in nur sehr wenigen privaten Wohnzimmern zu finden sein.

Herzliche Grüße
Andreas

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