Subjektive Hörberichte und Hörvergleiche von HiFi-Enthusiasten
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Manger c1

Wir bleiben in der Sparte der Studiomonitore, obwohl es sich bei dem nun folgenden LS eher um einen Hybriden handelt. Ein Studiomonitor, der als Zielgruppe wohl eher den privaten anspruchsvollen Musikhörer im Blick hat, obwohl nicht wenige Tonmeister genau diesen LS als Abhörmonitor im Nahfeld betreiben. 
Es handelt sich um den aktiven Monitor Manger c1.

Wenn man den Neumann KH 420 als Studiomonitor bezeichnen kann, der auch Eingang in die Hifiwelt gefunden hat, dann ist der Manger c1 ein Hifilautsprecher, der auch Eingang in die Welt der Tonstudios gefunden hat. Das alleine lässt schon erahnen, womit wir es hier zu tun haben. Obwohl bereits die Verbindungsnormen zeigen, welche Gene in diesem Schallwandler stecken. XLR und Speakon findet man und nicht etwa SPDIF und Bananenstecker.

Einen adäquaten Hörtermin mit diesem LS zu bekommen, ist gar nicht so einfach. So bedurfte es mehrerer Emails und Telefongespräche mit Daniela Manger, der Firmenchefin, um eines der in Deutschland zu Testzwecken vagabundierenden Pärchen in meine Nähe zu bringen. So klappte es aber dann doch recht schnell, und ein Termin in einem Manger führenden Hifistudio konnte stattfinden. Eine kostenpflichtige Teststellung in meinem Hörraum wollte ich nicht. Wichtig ist es mir, hier zu erwähnen, dass man mit Frau Manger eine kompetente, zuverlässige und stets seriöse Gesprächspartnerin hat.

Obwohl dieser LS einer der meistgetesteten LS überhaupt ist, möchte ich doch vorab noch ein paar Worte zu Manger verlieren. Das Besondere an diesem LS ist ja bekanntlich der Biegewellenwandler, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Erfinder, so möchte man es bezeichnen, war der Vater von Daniela Manger bereits in den 60er Jahren. Ab ca. 1980 fand dieser Treiber dann eine größere Verbreitung, besonders auch im DIY-Segment. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich um diesen Wandler z.T. desaströse Legenden gebildet hatten. Lahm und kraftlos sollte dieser Wandler sein. Ein (Vor-) Urteil, das definitiv nicht stimmt. Soviel schon mal vorab. Wer diesen Wandler falsch behandelt, wird bestraft. Und das mag in der DIY-Welt nicht selten vorgekommen sein. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum man den Wandler nicht mehr separat kaufen kann. Ein Verlust für den fachlich versierten DIY’er, aber aus Firmensicht verständlich.

Wer sich für die exakte Wirkungsweise dieses sich in fast jeder Hinsicht von herkömmlichen Treibern unterscheidenden Biegewellenwandlers interessiert, dem empfehle ich, die offizielle Website von Manger zu besuchen.

Was haben wir mit dem c1 also vor uns? Einen bildschönen, perfekt verarbeiteten und in jeder Hinsicht wertigen Zweiwegelautsprecher, in dessen Zentrum dieser außergewöhnliche Biegewellenwandler steht. Zugleich eine Designikone, die zahlreiche Designpreise einheimsen konnte. Made in Germany at its best. Eigentlich als 8“ Breitbänder, der locker über 20 kHz kann, konzipiert, wird er aber sinnvollerweise von einem ebenfalls 8“ messenden Langhub TT-Chassis unterhalb von 300 Hz unterstützt und entlastet. Das TT-Chassis kommt von Visaton und kann bezogen auf die Hifisparte mit Fug und Recht als highendig bezeichnet werden. Der Grund, warum man als Bassunterstützung unterhalb von 300 Hz nicht zu einem 10“ oder gar 12“ Treiber gegriffen hat, ist einfach zu beantworten. Es sind pure Designgründe. Die optische Harmonie zweier gleich großer Chassis sollte nicht gestört werden. Angetrieben werden die beiden Chassis von zwei klassischen A/B-Verstärkern und analoger Weiche. Die gesamte Elektronik befindet sich mit allen analogen Einstellmöglichkeiten zur Ortsanpassung und zur Anpassung an persönliche Klangvorlieben an der Rückseite des Gehäuses, selbstverständlich perfekt und harmonisch trotz großer Kühlrippen auf die Rückwand aufgesetzt. Class-D Verstärker kommen ebenso wenig zum Einsatz, wie Bassreflexports. Beides wird aus klanglichen Gründen, so Daniela Manger, abgelehnt. Da der Basstreiber im geschlossenen Gehäuse eigentlich gar nicht so tief in den Basskeller kommt, wird er durch entsprechende aktive Entzerrung dorthin getrimmt. Für einen 8“ eine Konstruktionsentscheidung mit Folgen.

Als ich dann den Hörraum des Hifistudios betrat, es war ein Kellerraum, zunächst einmal eine kleine Ernüchterung. Da standen diese Beautys nun, ziemlich dicht an der Rückwand, in einem ca. 35 qm großen und etwas lieblos eingerichteten Raum. Ein Stereodreieck von knapp 3 m Schenkellänge war dann zunächst mal positiv, die Wand nahe Aufstellung jedoch nicht, weil es aus meiner Sicht die Wahrnehmung der räumlichen Tiefe beeinträchtigt. Mein Abstraktionsvermögen ist allerdings so, dass ich mir das in dem Hörmarathon, der nun folgen sollte, dazu denken konnte.

Platziert waren die beiden LS auf den passenden, Manger eigenen Ständern. Die LS waren nicht ganz auf den Hörplatz eingewinkelt. Das müsse so sein, gab der Vorführer an.
Wie so oft begann ich auch hier mit sehr ruhiger, vorwiegend akustischer Musik. Spanish Harlem vom Album The Raven von Rebecca Pidgeon war das erste Futter, was der c1 dann verdauen musste. Alles im Prinzip sehr schön, die Stimme sehr klar und zart von leicht halb rechts, aber die feine hochfrequente Percussion aus dem rechten Kanal vermisste ich etwas. Nach dem kompletten Eindrehen der LS auf meinen Sitzplatz war dieses Problem aber dann schnell erledigt.

Jetzt konnte ich mich auf die Streicher und den gezupften Kontrabass konzentrieren. Mit Bravour stellte der c1 die Musik in den Raum. Nicht auszudenken, wenn der Manger  1,5 – 2 m von der Rückwand entfernt gewesen wären. Der Eindruck einer wahren Klanglupe fürs Detail, gepaart mit der Fähigkeit, Räume und Musiker in das richtige Größenverhältnis zu bringen, verfestigte sich mit jedem neuen Titel. Come to Find von Doug MacLeod vom gleichnamigen Album war dann auch ein Genuss, nicht nur wegen der Dynamik der angerissenen Gitarrensaiten, sondern auch wegen der authentischen Wiedergabe der dezent gespielten Bassdrum. Die sehr präsente und dynamikreiche Stimme von Doug MacLeod darf nicht hart und aufdringlich wirken. Das meisterte der c1 in kaum erahnter Sauberkeit. Räumlichkeit, präzise Ortbarkeit und Klangfarben sind ohnehin die besonderen Stärken dieses LS.

Sehr gerne verwende ich zum Test auch den fast 12-minütigen Titel For three, CD Aurora, von Verneri Pohjola. Dieser beginnt sehr fragil mit holographisch dreidimensionaler Abbildung, um sich dann langsam zu steigern und in sehr komplexen, dynamikreichen Klangstrukturen zu kulminieren. Auch hier gab es nichts zu mäkeln, wenngleich auch hier ein sehr gutes Mitteltonhorn noch etwas mehr Attacke bringt.

Es sollte nun die Stunde der Wahrheit folgen, denn Charly Antolini’s Motodrum von der CD Crash fand nun seinen Weg in die Endstufen. Mit Verblüffung nahm ich wahr, mit welcher Trockenheit und Dynamik der c1 diese Kost wiedergeben konnte. Der Pegel war angemessen, zumindest so, dass der Vorführer die Augenbrauen hochzog. Auch er hatte das wohl so nicht erwartet. Der Grund, warum der c1 hier nicht ins Schwitzen kam, sollte sich aber bald zeigen. Die Bassdrum auf dieser CD ist recht hoch abgestimmt. Will sagen, dass die Dynamikspitzen zwischen 60 Hz und 100 Hz zu finden sind, ein Bereich also, den der c1 noch locker gehen kann. 

Dann folgte aber Mari Boine mit dem Titel Mu Ahkku von der CD Eagle Brother. Ein eigentlich sehr verhaltener, ruhiger Titel mit sparsamer Instrumentierung…tja, wenn da nicht der Bass im linken Kanal wäre. Eine harte Probe für jeden LS, sowohl was Tiefgang, Dröhnanfälligkeit als auch Dynamik anbelangt. Mit jedem Schlag auf die mit Rentierfell bespannte, große Trommel leuchtete die rote Überlastungs-LED auf. Diese elektronische Begrenzung des TT schützt den kleinen Basstreiber zwar vor Verzerrung oder gar Zerstörung, dämpft aber die Dynamik. Man hört den Schlag, aber richtig durchdringen kann er nicht mehr. Hier rächt sich die Designpriorität. Mit dem 12“ Basstreiber vom gleichen Hersteller (Visaton) hätte die Sache wohl anders ausgesehen. Wie auch immer, die Limitierung im Tiefbass setze sich nun bei sinfonischer Musik von den Labels Telarc und Reference Recordings fort. Immer, wenn die große Orchestertrommel hart angeschlagen wurde, trat der Limiter in Aktion. Dem Vorführer schmeckte das alles gar nicht.

Spätestens hier ist ein Blick auf die Tracklist der Manger eigenen, audiophilen Test-CD erforderlich, und man wird fündig, oder auch nicht. Denn kein einziger Track mit hochdynamischem Tiefbass ist darauf vertreten. Manger wird wissen warum. Selbst bei sinfonischer Musik wurde Haydn genommen, der nicht gerade dafür bekannt ist, als Komponist die große Orchestertrommel eingesetzt zu haben. Dagegen finden wir Vivaldi mit dem 3. Satz aus den vier Jahreszeiten oder das Treya Quartett mit ruhigem kammermusikalischem Jazz. 

So verzichtete ich im Weiteren auch auf Orgelmusik und Verdi’s Requiem, Dies Irae, Telarc CD  80152. Gerade bei letzterer Einspielung hätte die große Trommel die kleinen 8“ restlos überfordert.

Was lernt man nun daraus?

Erstens muss man sich als Entwickler und Hersteller entscheiden, was man will. Kleine, schlanke LS mit wohnraumfreundlicher Architektur und eine allumfassende Tauglichkeit für jedwede Art von Musik scheint wohl nicht zu funktionieren, besonders wenn Designaspekte eine große Rolle spielen. Natürlich wäre es möglich, den Manger c1 als Standlautsprecher zu bauen, was Manger mit dem Modell s1 ja auch macht. Aber auch hier wurde auf die seitliche Anordnung von zwei potenten Basstreibern verzichtet.

Auch die optional von Manger angebotene Ergänzung durch einen zusätzlichen  8“ Bass (Manger c1 LF-Modul) würde 6 dB mehr Schalldruck bringen. Ob das alleine helfen würde, konnte ich nicht hören, da diese Erweiterung beim Hörtermin nicht zur Verfügung stand.

Es scheint wohl ein Teil der Firmenpolitik zu sein, warum einige Hersteller auf die Unterstützung von Subwoofern quasi ab Werk verzichten. Ich habe so etwas einmal bei Audiodata erlebt. Peter Schippers lehnte es vor vielen Jahren bei seinem Erstlingswerk Bijou ab, einen Subwoofer als Ergänzung zu empfehlen, weil er nicht den Eindruck erwecken wollte, dass man den unbedingt braucht. Würde man den c1 als Standbox mit zwei seitlichen 12“ im 3-Wegebetrieb, quasi als Spitzenmodell, weiter entwickeln, würde man in Preisregionen vorstoßen, die nur noch Wenigen vorbehalten wären, und der c1 würde vielleicht als 2. Wahl empfunden.

Bleibt abschließend noch ein kritischer Blick in die Fachpresse.

„Noch kompakter Aktivmonitor mit einzigartigem Biegewellenwandler und separatem Bass. Klingt dank alles überragender Verständlichkeit bei maßvollen Pegeln so gelöst und selbstverständlich wie kaum eine andere Box.“

+ Volle Zustimmung!

„Wer etwas weiter von den Boxen entfernt sitzt, also spätestens ab 2,5 Metern, mag sich eventuell mehr Pegel wünschen, um höhere Lautstärken zu erzielen.“

+ Volle Zustimmung! Er meint aber wohl eher Pegelreserven.

„Der Bass dieser Box ist bemerkenswert! Die MSM c1 spielt abgrundtief, knochentrocken und pegelfest. Das ist mit der beste Bass, den ich seit Langem gehört habe.“

+ Na ja!

„So habe ich zum Test mit tonal ziemlich verwegenen, extrem dynamikreichen Dubstep-Tracks (etwa dem untenstehenden „Swaggered“ von Kalya Scintilla) bei „Vollgas“ und offenem Hörraum-Fenster den Innenhof unseres Areals mit den MSMs1 standesgemäß beschallt – natürlich unabsichtlich. Nicht ohne Reaktion der Nachbarn, deren SMS-Kommentare von „Fenster zu!!“ bis hin zu „Geile Mucke – was’n das??“ reichten.“

+ Wirklicher Tiefbass wurde wohl nicht getestet.

Fazit:

Der Aktivmonitor Manger c1 ist akustisch wie optisch ein betörend schöner LS, der in jedem Wohnzimmer das Herz nicht nur des Mannes sondern auch der Ehefrau höher schlagen lassen müsste. Ein gut eingerichtetes Zimmer mit ein paar Designermöbeln ist der wahre Wohlfühlort dieser Pretiosen. Davor sitzend ein reiferer Mann (oder Frau) mit einem Glas Rotwein auf dem Tisch und bei gemäßigtem Pegel dem Klang dieser LS folgend. In gleicher Weise aber auch geeignet für den Tonmeister, der ein unbestechliches Werkzeug für seine Abmischungen benötigt. Diese hören ja bekanntlich ohnehin nicht sehr laut. Mit einem Paar sehr guter Subwoofer sicher auch für den Hörer geeignet, der es auf höchstem Niveau auch etwas beherzter zur Sache gehen lassen will. Ich möchte sogar sagen, für diese Hörer sind gute Subwoofer gerade ein Muss.

Womit wir leider beim Preis wären. Je nach Finish und ob mit oder ohne Ständer und zusätzlichen LF-Modulen liegt man so zwischen 13 und 20 k€ für das Paar. Damit bewegt man sich schon in der dünnen Luft anderer sehr guter LS, vom Preis-Leistungsverhältnis eines Neumann KH 420 ganz zu schweigen. Gesellt man zu den c1 ein Paar Subwoofer z.B. der Firma Merovinger, die mit ihrem geschlossenen Gehäuse und der Sensorregelung sehr gut passen würden, wäre man bei ca. 25 k€ und dann auch in einer anderen Klangliga, was den Preis wieder relativieren würde.

Wer diesen LS will, wird ihn auch kaufen. Er hat etwas Unwiderstehliches, was die pure Ratio lähmt. Frau Manger hat das perfekt hingekriegt. Eine Anschaffung für sehr langen Musikgenuss ist er allemal.

Grüße Andreas

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2 Gedanken zu “Manger c1”