Subjektive Hörberichte und Hörvergleiche von HiFi-Enthusiasten
Subjektive Hörberichte und Hörvergleiche von HiFi-Enthusiasten

Bohne BB 15

Wir gehen im “Haus des Geldes” noch ein paar Stockwerke nach oben. Es handelt sich um den aktiven Lautsprecher Bohne BB 15 einschl. der dazugehörenden externen Elektronik. Der ist in den letzten 1 ½ Jahren nebst seiner kleineren Brüder BB 10 und BB 10L geradezu zum Überflieger in der Szene geworden.

Warum eigentlich aktiv, handelt es sich doch erst einmal nur um ein Holzgehäuse mit einem Treiber, einem Bändchen on Top und sonst nichts. Aktiv deshalb, weil der nackte LS nichts kann ohne den Elektronikpark, der, so wie er angeboten wird, dazugekauft werden sollte. Paketpreis nennt Herr Bohne das.

Was machte den BB 15 für mich so interessant. Genau zwei Dinge. Erstens das Bändchen, dem wahre Wunderdinge nachgesagt werden und zum zweiten die aberwitzige Dynamik, die dem LS in allen! Tests bescheinigt wurde. Da ich ein Dynamikfan bin, ging für mich an dem BB 15 kein Weg vorbei. Es ergab sich günstiger Weise, dass ich ohnehin einen Termin in NRW hatte, und da war der Umweg nach Engelskirchen nicht weit.

Was ist der BB 15 nun eigentlich? Ein hochdynamischer Hifi-LS, ein Bühnen-LS für kleinere Clubs oder ein Studiomonitor für mittelgroße bis große Tonstudios? Ich denke von Allem etwas.
Kommen wir aber zunächst zum Basstreiber, das ist einfacher. Hierbei handelt es sich um den bekannten und zugegebener Maßen herausragenden JBL 2226. Ein 15“ PA-Treiber der Extraklasse.

Laut Herrn Bohne wurde dieser von ihm selbst modifiziert. Worin die Modifikation besteht, darüber schwieg sich Herr Bohne aus. Dieser 15“ mit 4“ großer Schwingspule ist im harten Profialltag über Jahre erprobt und kaum kaputt zu kriegen. Unter Fachleuten genießt er hohes Ansehen und er garantiert für ungebremste Dynamik. Allerdings auf Kosten des Tiefgangs, ein Subwooferchassis hat andere Parameter. Der JBL sitzt in einem mittelgroßen Reflexgehäuse. Auf Grund der Gehäusegröße, des Tunneldurchmessers und der Tunnellänge vermute ich die Reflexabstimmung bei ca. 40 Hz. Genaue Daten liegen mir allerdings nicht vor.

Interessanter ist jedoch das Bändchen, eine patentierte Eigenentwicklung von Jörg Bohne. 300 mm lang und 18 mm breit, Aluminium, mit gezackter Kontur, die das glatte Aluminiumband erhält, wenn es durch eine Zahnradvorrichtung läuft.

Natürlich soll es sich laut Herrn Bohne auch nicht um gewöhnliches Aluminium handeln, sondern um „behandeltes“ Aluminium. Auch hierüber schweigt sich Herr Bohne im Weiteren aus. Warum eigentlich, wenn er doch das Patent besitzt? 

7 mm Auslenkung soll das Bändchen können, ein sehr hoher Wert für ein Bändchen von 30 cm Länge. Aber da es ab 700 Hz und bei solchen Pegeln eingesetzt wird, muss es solche Leistungen auch bringen. Ich ging der Sache nun weiter auf den Grund und schaute in den Luftspalt zwischen Bändchen und Magneten. Was ich sah, waren augenscheinlich handelsübliche Neodym Quadermagnete von ca. 30 mm Länge. Es müssten pro Seite also 10 Stück gewesen sein. Diese Magnetstäbe bekommt man z.B. bei Magnet Shop 24 für 3,37 €/Stück. Wo ist jetzt das Patent, fragte ich mich still? Vielleicht der Übertrager, der an der Rückseite angebracht ist. Sehen konnte ich auch hier nichts Besonderes, ein Übertrager eben. Lange Rede kurzer Sinn, es wird schon einen Grund haben…das mit dem Patent.

Kommen wir zur Elektronik, die komplett ausgelagert ist. Wir haben hier einen Trinnov, ein mächtiges Gerät zum kompletten Management von zwei oder mehreren Lautsprechern, über jeden Zweifel erhaben. Und zwei Stereoendstufen im A/B-Betrieb, die mich sehr an die guten aber betagten ALPS-Verstärker erinnerten. Vier mal 600 Watt stehen dann zur Verfügung, also mehr als genug.

Technisch wird Jörg Bohne, übrigens gelernter Physiker, von Visaton im nahegelegenen Haan unterstützt.

Nun zur Hörsession an sich. Jörg Bohne begrüßte mich vor seinem Haus, in dem auch die Firma untergebracht ist. Ein spezielles Vorführstudio hat er wohl nicht, der ganze Raum machte eher einen privaten Eindruck. Der Raum an sich etwas verwinkelt, groß mit normaler Deckenhöhe. Die Stimmen im Gespräch wirkten natürlich, so dass ich den Raum als hinreichend trocken bezeichnen würde.

Trotz der Größe des Raums standen die LS kaum 2,5 m auseinander, der Hörabstand vielleicht 3 m. Das Schlimmste aber, die LS standen rückseitig an der Wand und dazwischen ein Schrank. Der 30 cm Wandmindestabstand, den Herr Bohne angibt, wurde gerade nicht unterboten.

Mein erster optischer Eindruck deckte sich mit dem Eindruck, der sich bereits auf Grund der Fotos bei mir eingestellt hatte. Irgendwie macht der BB 15 immer noch den Eindruck eines Prototyps. Ein Eindruck, der sich mit der Lifestileserie (BB 8L und BB 10L) grundlegend geändert hat. Das etwas plumpe Bassgehäuse und, wie ein Dekoartikel oben aufgesetzt, das Bändchen, das so aussieht, als hätte die Frau des Hauses anstatt einer Blumenvase eine Skulptur platziert, wirken auf mich irgendwie labormäßig.

Ich packte meine mitgebrachten CD’s aus und es konnte losgehen. Wie immer mit akustischer und eher verhaltener Musik. Auch das muss ja ein LS dieser (Preis-)Klasse können.

Ich erspare mir an dieser Stelle weitere Beschreibungen. Nicht, weil die LS schlecht geklungen hätten. Im Gegenteil, sie klangen für mich bei dieser Art von Musik erwartungsgemäß gut, nicht überragend, aber gut. Nur das Gesicht von Herrn Bohne wurde mit jedem ruhigen Titel länger und seine Ungeduld größer. Das war offenbar nicht seine Musik. Erst als Charly Antolini in der Lade verschwand und er an der fernbedienbaren Lautstärkeregelung im Uhrzeigersinn drehte, erhellte sich sein Gesicht. Aha, jetzt wusste ich, was Herr Bohne und die Tester meinten. Mit ungebremster Dynamik brach das Schlagzeug über mich hinein. Mehrere Titel der CD’s Crash und Knock Out 2000 kamen zu Gehör, oder besser gesagt, sie massierten die Haut und die Bauchdecke. Ob da nun Verzerrungen des Bändchens dabei waren, war kaum noch auszumachen, denn Herr Bohne übertreibt im Pegel, selbst nach meinem nicht gerade zimperlichen Maßstab. Bei Mighty Sam McClain, Gone for Good von der CD Joy & Pain, einer der besten und dynamischsten Konzertmitschnitte, die ich kenne, dasselbe Bild. Pegel bis zum Abwinken und fast jenseits meiner Schmerzgrenze, auf jeden Fall jenseits meiner Toleranzgrenze. 

Herr Bohne ist auch Musiker (Schlagzeuger) und ist vielleicht so etwas gewöhnt. Oder er will nur zeigen, was seine LS an Pegel und Dynamik können.

Ich konnte dann doch den Spieß nochmal umdrehen und mit Orgelmusik und anderen Titeln mit Tiefbass (immer wieder gerne Mari Boine) diesen Bereich ausloten. Um es kurz zu machen, der BB 15 versucht es erst gar nicht, die Orgelpfeife unterhalb 30 Hz artgerecht zu übertragen. Gut, dass er es nicht versucht, denn das käme der Mitteltontauglichkeit des 15“ JBL nicht zu Gute. Immerhin muss er sich bis 700 Hz hocharbeiten, um dort an das hochbelastete Bändchen zu übergeben. Irgendwie stellte sich bei mir der Eindruck ein, dass sich da beide schwer tun. 

Im Nachhinein vergleiche ich mit meinem System, denn auch bei mir wird bei ca. 700 Hz getrennt. Allerdings arbeitet bei mir eine hochstabile, harte Berylliummembran mit 4“ Durchmesser, die wegen des Horns bei 700 Hz kaum belastet wird. Und anstatt eines 15“ arbeiten bei mir zwei 12“ des gleichen Herstellers, die zudem noch unterhalb von 70 Hz nichts mehr leisten müssen. Das sind gravierende konstruktive Unterschiede, die man m.E. auch hört. Weiterhin hat der BB 15 eine alles andere als optimale Abstrahlcharakteristik, v.a. dann, wenn er wie in dieser Hörsession, zu dicht an der Rückwand platziert ist. Das Bändchen strahlt pegelstark nach vorne und nach hinten ab, der bis 700 Hz reichende Bass nur nach vorne. Messerscharfe Fokussierung von einzelnen Schallereignissen geriet dann auch erwartungsgemäß etwas unter die Räder. Die starke und zeitlich zu kurze Vermischung von Direktschall und reflektiertem Schall strengt an, weil man sich fortwährend dabei ertappt, eine von anderen Lautsprechern bekannte Lokalisation nachzuempfinden.

Wären da nicht die Nähe zur Rückwand und der Schrank dazwischen gewesen, hätte ich wohl einen besseren Eindruck zu der räumlichen Tiefe, Fokussierung und Staffelung beschreiben können, aber so ist mir das nicht möglich. Angesichts der Treiber und der Trinnovregelung unterstelle ich aber, dass sie das grundsätzlich gut können.

Über die Langzeitstabilität des Bändchens kann ich nur spekulieren. Aber sehr lange wird das feine Alu-Bändchen diese Tortur ohne Verschleiß nicht mitmachen. 

Kommen wir auch jetzt wieder zum Preis.  21 900 € für den nackten Lautsprecher stehen aktuell in der Preisliste. Vor gut einem Jahr waren es noch unter 20 k€. Das ist schon eine Ansage für zwei mittelschicke Bassreflexgehäuse von gerade einmal 60 kg inkl.Treiber, zwei 15“ JBL-Treiber und zwei Bändchen-MHT. Rechnet man die Elektronik dazu, ohne die nichts geht, liegt man laut PL ermäßigt zwischen 32 500 € und 36 500 €. Schwer zu sagen, angesichts z.T. waghalsiger Highend-Kalkulationen, ob dieser Preis angemessen ist. Vergleicht man den BB 15 mit dem JBL M2 Monitor, der mit zwei absoluten HighTec Teibern ausgestattet ist, über einen professionellen Controller und 4 x 3500 Watt I-Tech Endstufen von Crown verfügt und sich in großen Studios weltweit etabliert hat, dann wird es für den BB 15 eng. Denn die JBL Combo kostet ca. 25 k€, also ca. 10 k€ weniger.

Bevor ich zum Fazit komme, noch der obligatorische Blick in die Fachpresse.

Diese Lautsprecher schaffen eine staubtrockene Live-Atmosphäre, die meilenweit von überkultiviertem High End entfernt ist. Viele High-End-Lautsprecher, auch aus den höchsten Preisklassen, wirken dagegen regelrecht wie vom Live-Eindruck wegentwickelt. Nach bestem Wissen überdämpfte Konkurrenten werden von der kernigen BB-15 gnadenlos ausgekontert.“
These loudspeakers create a bone-dry live atmosphere that’s miles apart from overly sophisticated high end. I can say that overdamped competitors are mercilessly outranked by the punchy BB-15s.” 

+ So entstehen gleiche Testberichte vom gleichen Autor in verschiedenen Zeitschriften.

Fazit

Der Bohne BB 15 ist ein Lautsprecher für den Mann, der mit Highend im herkömmlichen, feingeistigen Sinne nichts am Hut hat. Aber was ist schon Highend? Herr Bohne ist mit diesem LS der Wirklichkeit an Dynamik, Livehaftigkeit und Bühnenpräsenz meilenweit näher als viele hochgezüchtete  Klangerzeuger in einer ähnlichen Preisklasse. Wer gerne laut hört, sollte sich warm anziehen. Bei entsprechender Musik geht die Post ab. Trotzdem, ein Alleskönner ist er nach meinem Dafürhalten nicht. Dazu fehlen ihm die Tiefbasstauglichkeit und die letzte Homogenität im gerade wichtigen Mitteltonbereich. Auch die Langzeitstabilität des Bändchens wirft zumindest Fragen auf. Hier muss der Beweis erst noch angetreten werden. Bin gespannt, ob in 5 Jahren die ersten Exemplare zum Bändchentausch nach Engelskirchen müssen.

Jedenfalls bereichert dieser LS die Hifiwelt, oder welche Welt auch immer, mehr als der 147. dreiwegesophisticated Lautsprecher, der laut Hersteller wieder einmal die Grenzen des Machbaren überschreitet.

Bis zum nächsten mal

Andreas 

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